Gibt es sie wirklich, die absoluten No-Gos in einer Geschichte? Ich meine: ja. Das sehe ich vollkommen genreunabhängig. Bei manchen Formulierungen dreht sich mir einfach der Magen um, obwohl es sich weder um eine Horrorgeschichte noch um einen Zombieroman handelt. Sie merken schon, es geht mir nicht um die übertrieben hohe Verwendung von «hatte», «gewesen war», «wurde», et cetera.
Was ich meine, sind unpassende Vergleiche und haarsträubende Beschreibungen. So habe ich kürzlich einen Kriminalroman gelesen, in dem der Autor seinen Fokus auf Augen legte, obwohl diese für die Handlung irrelevant waren. In besagtem Roman gab es Augen, die rastlos durchs Wohnzimmer flogen und auf einem Bild kleben blieben. In demselben Text flogen wieder Augen. Dieses Mal zum Kalender neben der Tür. Noch schlimmer wurde es im weiteren Verlauf. ‹Seine Augen bohrten sich in die von Manuela›. All das und noch mehr Augenkuriositäten habe ich in ‹Der dritte Daumen› von Erwin Kohl gefunden, der übrigens auch sehr gute Bücher geschrieben hat. Hier kann ich gern ‹Der war schon tot› empfehlen.
Zurück zum eigentlichen Thema. Es sind nicht immer nur einzelne Formulierungen, die eine an sich spannende Geschichte zerstören können. Beispielsweise, wenn jemand auf einem unbewohnten Dachboden wohnt (gefunden bei Juan Haro, ‹Eifersucht kann tödlich sein›).
Wie kann ein Autor solche Fauxpas verhindern?
Meiner Meinung nach helfen da ein guter Lektor, den sich viele Hobbyautoren vermutlich nicht leisten können und ehrliche Testleser. Vorab sollte man sich jedoch seinen eigenen Text vorlesen oder besser noch anhören. Dann wird oft klar, wie ungeschickt es ist, wenn jemand um die Hand anstatt um den Finger gewickelt wird. Es ist meiner Ansicht nach nicht ratsam, sich mit aller Macht von der Masse – in diesem Fall von häufig vorkommenden Formulierungen – abheben zu wollen. Erscheint ein Begriff oder eine Redewendung zu abgegriffen, gibt es nur eine Möglichkeit: eine vollkommen andere Formulierung.
Autoren empfehle ich, Vergleiche oder (abgewandelte) Redewendungen genau zu überdenken. Oft ist klar, was gemeint ist, aber steht es wirklich so im Text? Meine ich die Augen oder doch eher den Blick einer Figur?
Lesern empfehle ich, mal auf das zu achten, was wirklich in einem Text steht. Überlese ich Augen, die durch die Höhlen wandern, obwohl ein Augenrollen gemeint ist? Nicht immer sorgen solche ‹Schreibsünden› für Groll. Manchmal ist es auch einfach amüsant, wenn sich ein Autor ‹verschrieben› hat.
