
Mit Begeisterung bin ich in der Papyrus-Community aktiv, leiste täglich Beiträge zu allen möglichen Themen, helfe bei Fragen zum Programm, wann immer ich kann. Von vielen anderen Mitgliedern bekomme ich regelmäßig Zustimmung, um mit nahezu gleicher Regelmäßigkeit den Zorn einiger Nutzer auf mich zu ziehen. Denn ich bin gegen das Schreiben mit KI, ich bin gegen das Recherchieren mit KI, ich bin gegen ein Lektorat mittels KI, generell gegen einen KI-Einsatz im kreativen Bereich. Manch einer hat mir schon vorgeworfen, ich würde meine diesbezügliche Meinung gebetsmühlenartig wiederholen, damit nerven und mich dem technischen Fortschritt verschließen.
Auf die vielen Argumente Für und Wider möchte ich hier nicht näher eingehen. Das wurde an anderer Stelle bereits zu Genüge diskutiert. Mich belastet das auch alles weiter nicht, denn ich gehe sowieso meinen Weg, ganz ohne KI. Da halte ich es wie Udo Lindenberg: «Ich mach mein Ding, egal was die andern sagen.»
In den letzten 12 Monaten habe ich an vielen Schreibwettbewerben teilgenommen, so auch aktuell zum Thema «Smartokratie», ausgeschrieben vom Eridanus-Verlag.
Wieder einmal kommt in der Papyrus-Community das Thema auf, woran man KI-Texte erkennt, ob sie schlecht oder gut sind, oder schlichtweg glattgebügeltes Mittelmaß. Ich diskutiere da mittlerweile nicht mehr mit, verfolge jedoch angeregt die Diskussionen der anderen Mitglieder. Da gibt es welche, die regen sich auf, weil Texte als KI-generiert identifiziert werden, die zu Zeiten geschrieben wurden, als Intelligenz einzig dem Menschen zugeschrieben wurde. Meine Neugierde war geweckt, was es doch nicht alles für Tools gibt, die haargenau verifizieren können, wo KI seine Finger im Spiel hatte.
Also bat ich einen Bekannten mal um einen kleinen Test. Er jagte meinen Smartokratie-Beitrag für den Schreibwettbewerb des Eridanus-Verlages durch eine Prüfung bei sidekicker.ai und siehe da, ich erlitt fast einen Tobsuchtsanfall.
Der Verdacht:
96% meines Textes geben Hinweise darauf, dass mein Text von einer Künstlichen Intelligenz generiert worden ist.
Die Wahrheit:
Mein Text wurde mit einer 0%igen KI-Beteiligung geschrieben. Ich habe wochenlang daran gearbeitet, den Plot ersonnen, aufgeschrieben, daran herumgefeilt, testlesen lassen, korrigiert, wieder liegen lassen und geändert. Das Prozedere hat sich ellenlang wiederholt, bis der finale Text stand, den ich schließlich eingesandt habe.
1. Vorschlag von sidekicker.ai:
Make your content 100% original. Remove AI content.
Wie denn? Der Text ist ja schon zu 100% ein Original von mir. Da ist nichts herauszunehmen, was nicht von mir stammt, da alles aus meiner Feder geflossen ist. Zugegebenermaßen ohne Feder.
2. Vorschlag von sidekicker.ai:
Keep your original meaning.
Originaler als ich selbst kann ich mich einfach nicht ausdrücken. Ich habe das hingeschrieben, was ich erzählen wollte.
Ergebnis, wenn ich auf sidekicker.ai höre:
Pass all major AI detectors.
Tja, wenn ich 1. und 2. beachte, dann wird mein Text wohl durch jede KI-Prüfung durchfallen. Ich muss es einfach glauben, dass ich nicht schreibe wie ein Mensch, sondern eben wie ein künstliches Konstrukt, denn sonst hätte ich ja nicht das Problem, unmenschlich, also künstlich, zu klingen.
Können Sie das verstehen? Ich nicht. Aber: Ich bin verdächtig! Beinahe sogar überführt, denn 96% erkannte AI-Typologie muss einfach stimmen. Hoffentlich verlässt sich die Jury des Eridanus-Verlags auf ihren gesunden Menschenverstand und meiner Versicherung, dass ich alleiniger Schöpfer meines Wettbewerbsbeitrages bin.